Regelschmerzen – Ursachen & hilfreiche Tipps

Weg mit den Krämpfen! Woher Regelschmerzen kommen und wie Du sie lindern kannst

Spürst Du Krämpfe im Unterleib, wenn Du Deine Regelblutung hast? Geht es Dir einen Tag oder sogar mehrere gar nicht gut? Dann bist Du damit in guter Gesellschaft: 50 bis 95 Prozent aller Menschen, die regelmäßig menstruieren, hatten bereits Regelschmerzen (1, 2). Diese sind der häufigste Grund für Krankschreibungen im Teenageralter (2). Doch keine Panik: Erstens lässt der Schmerz in vielen Fällen irgendwann von allein nach. Zweitens gibt es viele Möglichkeiten, Menstruationsbeschwerden zu lindern.

Ursachen Unterleibsschmerzen - Was ist schuld am Ziehen, Drücken, Krampfen?

Wenn Du weißt, welches Erneuerungsprogramm Deine Gebärmutter Monat für Monat durchläuft, damit irgendwann ein Kind darin heranwachsen kann, ahnst Du vermutlich: In deinem Unterleib passiert Monat für Monat eine Menge. Ist der Zyklus vollendet, ohne dass sich eine befruchtete Eizelle eingenistet hat, wird die oberste Schicht Deiner Gebärmutterschleimhaut abgestoßen. Dazu Gewebeflüssigkeit, Nährstoffe und Blut. Alles auf Anfang – das ist sinnvoll und gesund, verläuft aber leider manchmal schmerzhaft.

Bestimmte Gewebshormone, die sogenannten Prostaglandine, sind hierfür verantwortlich. Sie sind nützlich und notwendig, denn sie wirken auf die Blutgefäße und Muskeln in Deinem Unterleib und bewirken, dass Deine Gebärmutter sich zusammenzuzieht und wieder entspannt. So kann sie alles, was sie loswerden möchte, Gewebe wie Flüssigkeit schnellstmöglich mit der Regel nach draußen befördern (2, 3).

Wissenschaftler:innen gehen davon aus, dass viele Frauen zeitweilig oder dauerhaft ein Übermaß an Prostaglandinen produzieren. Mögliche Folgen: Die Gebärmutter zieht sich besonders heftig zusammen oder die Durchblutung der Gebärmutter wird eine Zeitlang weniger gut durchblutet. Beides verursacht Schmerzen. Symptome wie Übelkeit, Kopfschmerzen oder Schwindel können sich noch dazugesellen.

Zu allem Übel gibt es weitere Faktoren, die alles weiter verschlimmern können:

  • Negativer Stress, der bekanntlich Einfluss auf vielerlei Vorgänge im Körper hat
  • Schlafmangel, der die Schmerzempfindlichkeit steigert
  • Magnesiummangel, der die Krampfneigung erhöht
  • eine von Natur aus hohe Schmerzempfindlichkeit

Außerdem gibt es einige Erkrankungen, zu deren Symptomen heftige Schmerzen während der Periode zählen – allen voran Endometriose oder Adenomyose.

Mediziner:innen haben für regelmäßige, starke Regelschmerzen einen Fachbegriff: Dysmenorrhö. Bei ansonsten komplett Gesunden heißt die Diagnose primäre Dysmenorrhö, bei Frauen mit Krankheiten wie Endometriose sekundäre Dysmenorrhö.

Ob primäre oder sekundäre Dysmenorrhö, Menstruationsbeschwerden haben viele Gesichter. Bei manchen fangen sie sofort mit der ersten Regelblutung, der Menarche, an. Andere erleben die typischen Schmerzen erst nach ein bis zwei Jahren, weil sie erst dann regelmäßig einen Eisprung haben und entsprechend viele Prostaglandine bilden.

Bei anhaltenden, starken Regelschmerzen solltest Du Dir bald einen Termin in der gynäkologischen Praxis besorgen. Denn Dein:e Gynäkolog:in kann zum einen herausfinden, ob eine Erkrankung hinter Deinen Krämpfen steckt, Du also eine sekundäre Dysmenorrhö hast. Besonders häufig lautet dann die Diagnose Endometriose: Bei den Patient:innen hat sich Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter angesiedelt, zum Beispiel am Bauchfell, am Darm oder den Eierstöcken. Fachleute schätzen, dass 8 bis 15 Prozent aller Mädchen bzw. Frauen betroffen sind. Eine Endometriose kann ab frühester Jugend vorhanden sein oder sich erst später im Leben entwickeln, die Ursachen sind noch ungeklärt (4). Auch die Diagnose Adenomyose wird bei Mädchen und Frauen mit starken Regelschmerzen oft gestellt. Hierbei finden sich Zellen, die eigentlich nur im Innern der Gebärmutterschleimhaut angesiedelt sein sollten, zusätzlich auch im Inneren der Muskelwand der Gebärmutter (5). Ob Endometriose oder Adenomyose: Je mehr Gebärmutterschleimhautzellen vorhanden sind, die sich zusammenziehen können, desto eher tut die Periode sehr weh. Zum Glück gibt es aber einige Wege, Adenomyose und Endometriose zu behandeln. Regelschmerzen ohne zugrundeliegende Erkrankung sind ebenfalls therapierbar.

Deine Gynäkologin beziehungsweise Dein Frauenarzt wird herausfinden, was hinter Deinen Beschwerden steckt und Dir womöglich den Weg aus den Regelschmerzen weisen.

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Regelschmerzen lindern - Hilfreiche Behandlungsansätze bei Periodenschmerzen

Wenn mit Medikamenten gegen Regelschmerzen angegangen wird, haben sich bestimmte Schmerzmittel besonders bewährt: Die nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) mit Wirkstoffen wie Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen.

Das Besondere an den NSAR: Diese Schmerzmittel greifen direkt in die Prostaglandinsynthese ein. Es werden also weniger Prostaglandine gebildet, was die Schmerzen vermindern kann. Sprich vorab am besten Deinen Hausarzt oder Deine Frauenärztin darauf an und lass Dich zu für Dich geeigneten Medikamenten, möglichen unerwünschten Wirkungen und der Dosierung beraten. Die Entscheidung für ein Schmerzmittel wird auch auf der Grundlage dessen getroffen werden, ob Du Verdauungsprobleme hast, denn nicht-steroidale Antirheumatika können diese verstärken.

Es gibt jedoch noch mehr, was Du – ergänzend oder ganz ohne Medikamente – tun kannst, um Deine Menstruationskrämpfe zu lindern. Einige Methoden sind inzwischen sehr gut erforscht, zu anderen stehen aussagekräftige Studien noch aus.

Entzündungen runter, Wohlbefinden rauf! – Was bei Beschwerden helfen kann

Du kannst versuchen, Deine Prostaglandin-Produktion natürlich zu regulieren. Zum Beispiel, indem Du auf Nahrungsmittel verzichtest, die reich an Arachidonsäure sind. Arachidonsäure ist eine Omega-6-Fettsäure, die eigentlich nützlich ist, doch im Übermaß zur übermäßigen Bildung von Prostaglandinen beitragen kann. Viel Arachidonsäure steckt zum Beispiel in Schweinefleisch, aber auch andere Fleischsorten, Wurstwaren, Eier und Milchprodukte liefern sie (6). Versuch also einfach mal, hierauf zu verzichten oder zumindest weniger davon zu essen! Und setz vermehrt auf Fisch, Leinöl und Algen, die als Lieferanten von Omega-3-Fettsäuren dazu beitragen, dass ein gesundes Gleichgewicht von Omega-3 und Omega-6-Fettsäuren entsteht.

Zusätzlich ist sinnvoll, dass Du auf Deine Magnesiumversorgung achtest, zum Beispiel mit Bananen, Nüssen, Brokkoli, Vollkornbrot oder auch Nahrungsergänzungsmitteln (7). Vielleicht werden Deine Regelschmerzen dadurch tatsächlich erträglicher.

Es gibt weitere pflanzliche Lebensmittel, auf die Frauen mit Unterleibsschmerzen regelrecht schwören. Ingwer zum Beispiel, der antientzündlich wirkt, wärmt und Übelkeit bekämpft. Mach Dir doch einmal einen Ingwertee: Übergieße mehrere frische Scheiben der Knolle mit kochendem Wasser, lasse den Sud zehn Minuten ziehen und genieße ihn danach. Auch Saft und Kapseln mit den Wirkstoffen aus dem Ingwer zeigen Effekte: Ein Review aus Indien vermittelte, dass Ingwerpräparate Regelschmerzen ebenso gut reduzieren wie Schmerztabletten und signifikant besser als Placebos (8).

Hausmittel bei Regelschmerzen - Life-Hacks für Dein Wohlbefinden

Nicht nur Ingwersud, sondern auch Kräutertees können einen wertvollen Beitrag zu mehr Wohlbefinden leisten. Als krampflösend erwiesen haben sich die Kräuter Kamille, Gänsefingerkraut, Fenchel und Schafgarbe. Melisse und Lavendel sollen zudem Gelassenheit schenken. Zubereitungen aus Traubensilberkerze und Frauenmantel gelten als hormonregulierend und damit hilfreich gegen Regelschmerzen (9).

Achte auf eine gute Qualität der Zutaten und bereite Tees immer frisch mit sprudelnd kochendem Wasser zu.  Zur für Dich passenden Anwendungsart, zum besten Zeitpunkt und zur Dosierung frag bitte die Apothekerin oder den Phytotherapeuten Deines Vertrauens.

Alternativ oder begleitend kann Dir Wärme mit ihren durchblutungssteigernden und krampflösenden Eigenschaften helfen, schmerzhafte Stunden und Tage gut zu überstehen. Teste doch einfach, was Dir besonders wohltut: Wärmflasche, Wärmepad, Kirschkernkissen, Vollbad … Es gibt sogar Studien, die für die Wirksamkeit verschiedenster Wärmeanwendungen sprechen (10).

Wonach fühlst Du Dich sonst? Bewegung oder Auf-dem-Sofa-Liegen? Viele nutzen tatsächlich ihren Lieblingssport, um sich abzulenken und die Durchblutung ihres ganzen Körpers, damit auch der Gebärmutter, zu unterstützen. Zu den Sportarten, die trotz Menstruationsbeschwerden als angenehm empfunden werden, gehören Studien zufolge Yoga, Gymnastik und Laufen (11). Du allein entscheidest über Tempo und Dosis!

Überhaupt gilt in puncto Regelschmerzen: Lass Dir nicht einreden, was Du empfinden solltest oder darfst, was jetzt normal ist und was nicht! Gönn Dir Zeit für Dich und sei so gut zu Dir, wie es überhaupt geht. Und wann immer Dich der Schmerz zu stark quält, fordere ärztliche Hilfe ein und vertrau darauf, dass es Dir bald besser gehen wird.

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  1. Iacovides S, et al: What we know about primary dysmenorrhea today: a critical review, Human Reproduction Update 2015, 21(6):762–778, https://doi.org/10.1093/humupd/dmv039
  2. Bartley J: Dysmenorrhö bei jungen Mädchen, korasion 2013. https://www.kindergynaekologie.de/fachwissen/korasion/2013/pathophysiologie-und-therapeutische-optionen/
  3. Deutsche Apotheker-Zeitung (DAZ) 2001, Nr. 31, S. 34, (online) 29.07.2001, https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2001/daz-31-2001/uid-1168
  4. https://www.endometriose-vereinigung.de/was-ist-endometriose.html
  5. Hutmacher J, et al.: Gynäkologie 1/18, Schwerpunkt; www.rosenfluh.ch/gynaekologie-2018-01/die-adenomyose
  6. https://www.lecturio.de/magazin/arachidonsaeurederivate/
  7. https://www.medizin-transparent.at/regelschmerzen-magnesium/
  8. Negi R, et al: Efficacy of Ginger in the Treatment of Primary Dysmenorrhea: A Systematic Review and Meta-analysis. Cureus. 2021 Mar 6;13(3):e13743. https://dx.doi.org/10.7759/cureus.13743
  9. Bühring U, Girsch M: 10 Heilpflanzen in der Frauenheilkunde. Aus: Praxis Heilpflanzenkunde. Thieme 2016; https://dx.doi.org/10.1055/b-0036-137700
  10. Graz B, et al: Dysménorrhée: patience, pilules ou bouillotte? [Dysmenorrhea: patience, pills or hot-water bottle?]. Rev Med Suisse. 2014;10(452):2285-8. https://www.revmed.ch/revue-medicale-suisse/2014/revue-medicale-suisse-452/dysmenorrhee-patience-pilules-ou-bouillotte
  11. Carroquino-Garcia P, et al: Therapeutic Exercise in the Treatment of Primary Dysmenorrhea: A Systematic Review and Meta-Analysis, Physical Therapy, Volume 99, Issue 10, October 2019, Pages 1371–1380, https://doi.org/10.1093/ptj/pzz101
  12. Firstpost-Artikel vom 20. Dezember 2019: https://www.firstpost.com/health/11-tried-and-tested-home-remedies-for-period-pain-from-women-who-swear-by-them-7799171.html